Aktuelle Fehlbelastungsfaktoren und Beanspruchungsfolgen in der Pflege: Wertschätzung beginnt bei den Arbeitsbedingungen

Autoren: Kirmse, Pietrzyk, Hacker

Kategorie: Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit

Chair: Jäger

Beitragskurzfassung:
Die Corona-Krise rückt das persönliche Engagement von Pflegekräften und deren Bereitschaft, unter hohen körperlichen und psychischen Anforderungen zu arbeiten, zunehmend in den gesellschaftspolitischen Fokus. Obgleich dadurch eine Wertschätzung von Pflegekräften in Form von abendlichem Applaus und Bonuszahlungen resultierte, erfolgten bisher nur wenig Initiativen, um die Systemrelevanz von Pflegeberufen langfristig angemessen gesellschaftlich anzuerkennen.
Die Befunde der vorliegenden Querschnittsstudie zur Belastungs- und Beanspruchungssituation, gefördert durch den Verband der Ersatzkassen e.V., zeigen deutlich, dass trotz vieler Bemühungen und zahlreicher öffentlicher Debatten sowohl die Arbeitsbelastung als auch die assoziierten gesundheitlichen Auswirkungen unverändert kritisch ausgeprägt sind (vgl. DGB-Index Gute Arbeit; 2018; Flaspöler & Neitzner, 2018). Als Fehlbelastungsschwerpunkte wurden von den insgesamt 451 befragten Pflegekräften aus der Akut- und Langzeitpflege vor allem die Notwendigkeit zur emotionalen Selbstkontrolle (65,8%)und Parallelarbeit (68,1%), das Fehlen störungsfreier Pausen (57,5%) sowie das Arbeiten unter Zeitdruck (56,8%) benannt. Mit den kritischen Ausprägungen der Arbeitsbedingungen gingen zudem hohe selbstberichtete Fehlbeanspruchungen einher, die sich u. a. in einer überdurchschnittlich hohen emotionalen Erschöpfung widerspiegelten.
Um Pflegekräften nachhaltig Anerkennung für ihre Arbeitsleistungen entgegenzubringen und auch zukünftig den erhöhten Pflegebedarf decken zu können, greifen ideelle Gesten und Einmalzahlungen zu kurz. Ziel sollte es sein, Anerkennung im Sinne einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche zu vermitteln. Menschengerechte Arbeitsgestaltung als Instrument der Wertschätzung kann nicht nur positive Signale an die Pflegekräfte senden, sondern auch die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Pflegekräfte langfristig verbessern.

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Raum 1
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Kirmse, Pietrzyk, Hacker