Heute Routine – morgen ersetzt? Repräsentative Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung NRW zu Routineaufgaben, Substituierbarkeit und arbeitspolitische Gestaltungsansätze

Autoren: Brauner, Krauss-Hoffmann, Keller, Risse, Hochgreve, Seiler

Kategorie: Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit

Chair: Bengler

Beitragskurzfassung:
Routineaufgaben könnten im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung durch Maschinen, Roboter oder künstliche Intelligenz ersetzt werden. Für einzelne Branchen, Regionen und Teilarbeitsmärkte sowie den Sozialstaat können daraus große Herausforderungen erwachsen.
Anhand der Beschäftigtenbefragung NRW 2018/2019 des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung (LIA.nrw) mit 2001 Beschäftigten wird betrachtet, welche Beschäftigten in NRW häufig Routineaufgaben verrichten, welche Tätigkeiten ein erhöhtes Risiko der Substitution aufweisen und wo Potentiale der Arbeitsgestaltung und Qualifizierung liegen.
Drei von zehn Beschäftigten erledigen immer oder häufig Routineaufgaben. Sie sind durchschnittlich jünger, geringer qualifiziert und häufiger im Gastgewebe und Handel tätig. Routineaufgaben gehen auch häufiger mit Tätigkeiten wie „Reinigen, Abfall beseitigen, Recyceln“ sowie beim „Herstellen, Produzieren von Waren und Gütern“ einher. Wer durch einseitige Bewegungsabläufe und körperliche Zwangshaltungen oder das Heben und Tragen von Lasten beansprucht ist, erledigt ebenfalls häufiger Routineaufgaben. Auf eine Kumulation von Risikofaktoren bei Beschäftigten mit Routineaufgaben weisen auch die geringere Beteiligung an beruflichen Weiterbildungen, häufigere Unterforderung bei der Arbeit und vermehrte Arbeitsplatzsorgen hin.
Die Auswertungen für NRW geben auch mit Blick auf ganz Deutschland Anhaltspunkte dafür, in welchen Feldern durch Routineaufgaben Risiken der Substitution von Arbeitsplätzen bestehen könnten – Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit vorausgesetzt. Auch weitere substituierbare Tätigkeitsfelder gilt es frühzeitig aufzuzeigen, um durch Qualifizierung neue und wertige Arbeitsplätze zu generieren. Zugleich geben die Ergebnisse Hinweise auf gesundheitsförderliche Einsatzmöglichkeiten von Robotik und Automatisierung, um Menschen von schweren körperlichen Tätigkeiten zu entlasten.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der arbeitspolitischen Gestaltung des digitalen Wandels, der die Menschen aktiv einbezieht, Weiterbildung und Qualifizierung fördert und in der Arbeitswelt von morgen ganzheitliche und gesundheitsgerechte Aufgaben entstehen lässt.

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Raum 2
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Brauner et al.