Nicht vor Ort und doch dabei: Virtuelle Ethnografie als Lehr-/Lernmethode in der Arbeitswissenschaft

Autoren: Mörike

Kategorie: Komplexe Inhalte digital vermitteln: Beispiele aus der beruflichen Aus- und Weiterbildung

Chair: Mörike

Beitragskurzfassung:
Ethnografie ist eine Methode der in-situ Datenerhebung, die ursprünglich in den Kultur und Sozialwissenschaften entwickelt wurde um (soziale) Interaktion systematisch zu beobachten. Für die Anwendung im Arbeitskontext bedeutet ethnografische Forschung, MitarbeiterInnen über längere Zeit durch ihren Arbeitsalltag zu begleiten und so „eine Meile in den Schuhen anderer unterwegs” zu sein (Madden 2010). Dabei gilt es, Einblicke in die tatsächlich gelebte Alltagspraxis zu erlangen und das Gesehene, Gehörte oder Erlebte systematisch zu dokumentieren und auszuwerten.

Während bei der Ethnografie klassisch von einer physischen Kopräsenz der EthnografInnen vor Ort ausgegangen wird, stellt die virtuelle Ethnografie einen alternativen Ansatz für die in-situ Datenerhebung dar, wenn es nicht möglich ist, physisch präsent zu sein. Dies kann, wie zuletzt erlebt, pandemiebedingt begründet sein oder weil der Arbeitskontext nicht geeignet scheint (wie z.B. der private Kontext von Home-Office).

Im Rahmen einer Pilotstudie, die als Teil einer arbeitswissenschaftlichen Lehrveranstaltung im Sommersemester 2020 an der TU Berlin stattfand, wurden Wissensarbeitende unterschiedlicher Fachrichtungen im Home-Office virtuell begleitet und interviewt. Die Auswertung der erhobenen Daten (20h Beobachtungszeit/4h Interviewmaterial) sowie die Reflexionsberichte der Studierenden über die Anwendung der innovativen Methode sollen in diesem Beitrag vorgestellt werden.

Die Ergebnisse zeigen zum einen das große Potenzial virtueller Ethnografie für die Datenerhebung von gelebter Arbeitspraxis in der Wissensarbeit im Kontext der Soziomaterialität von Technologie. Zum anderen illustrieren sie die Herausforderungen, denen sowohl die Studierenden als auch ihre GesprächspartnerInnen insbesondere in Bezug auf die Erhebung von Daten mittels virtueller Ethnografie begegneten. Auf dieser Basis wird ein Konzept zur Vermittlung der Methode in der arbeitswissenschaftlichen Lehre vorgestellt, wodurch mithilfe digitaler Technologien mehrschichtige Einblicke in komplexe und schwer zugängliche Arbeitskontexte ermöglicht werden kann.

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Raum 3
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Mörike