Reichen einstündige Messungen zur Beurteilung physiologischer Hitzebeanspruchung aus?

Autoren: Kampmann, Bröde

Kategorie: Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit

Chair: Bengler

Beitragskurzfassung:
Mit dem Klimawandel gewinnt die Beurteilung der Gefährdung durch Arbeit bei hoher Lufttemperatur (Ta) und gleichzeitig erhöhter Luftfeuchte (pa) an Bedeutung. Dabei werden aus Effizienzüberlegungen ganzschichtige Datenerhebungen häufig durch kurzzeitige, etwa einstündige Beobachtungen ersetzt unter der Annahme, dass die verkürzte Beobachtungszeit zur Beurteilung eines „Steady-State” der physiologischen Beanspruchung ausreicht.

Ziel unserer Studie war, den Einfluss der Beobachtungsdauer auf die unter Hitzebelastung ermittelte physiologische Beanspruchung in einem weiten Ta-pa-Bereich unter Berücksichtigung von Bekleidung und Hitzeakklimatisation (HA) zu untersuchen.

Dazu wurden insgesamt 564 Klimakammer-Versuche aus einer Datenbank zu physiologischen Hitzebeanspruchungen selektiert, die für 28 junge, mit Shorts (0,1 clo) bzw. einem Overall (0,7–1 clo) bekleidete männliche Probanden Serien ohne und mit vorheriger HA umfassten. Die Arbeitsschwere (Gehen in der Ebene, 4 km/h) war konstant; Ta variierte von 25-60 °C, pa von 0,3-5,1 kPa, die Luftgeschwindigkeit betrug höchstens 0,5 m/s und die mittlere Strahlungstemperatur war gleich Ta. Die in der 3. Expositionsstunde registrierten Mittelwerte wurden mit den nach 1h registrierten Rektal- (Tre) und Hauttemperaturen (Tsk), Herzschlagfrequenzen (HF) sowie Schweißraten (SR) verglichen. Der Einfluss von Ta, pa, Bekleidung und HA auf die so erhaltenen Differenzen wurde durch ANCOVA mit gemischten Effekten statistisch geprüft und durch Anpassung mehrdimensionaler Splines mittels generalisierter additiver Modelle untersucht.

Die verkürzte Beobachtung unterschätzte im Mittel für alle Größen sowie HA- und Bekleidungsbedingungen die Beanspruchung. Dieser Fehler nahm mit Ta und pa statistisch signifikant (p<0,01) zu und war bzgl. SR für bekleidete (p=0,013) und bzgl. Tre für nicht-HA Probanden erhöht (p=0,012). Relevante Effekte traten bei hoher Ta mit erhöhter pa auf.

Diese Hinweise auf eine mit steigender Beanspruchung zunehmende Unterschätzung der Gefährdung bei Hitzearbeit durch zu kurze Beobachtungszeiten könnten insbesondere für Arbeiten mit erhöhtem Energieumsatz oder unter Schutzkleidung bedeutsam sein.

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Raum 2
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Kampmann, Bröde