Was ist interkulturelle Kompetenz und wer braucht sie? – Explorative Studie über Einstellungen von Studierenden und Berufstätigen zur Inhaltvalidität und externen Validität interkultureller Kompetenz

Autoren: Schäfer, Genkova

Kategorie: Spezielle Zielgruppen, Prototypen und gefährliche Arbeitsplätze

Chair: Sträter

Beitragskurzfassung:
Fortschreitende Globalisierungsprozesse bringen es mit sich, dass sich Unternehmen verstärkt international ausrichten müssen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Nicht zuletzt im IT-Bereich geht dies mit erhöhten Mobilitätsanforderungen an die Angestellten einher. Die steigende Arbeitsmobilität und internationale Vernetzung in der Arbeitswelt impliziert eine Zunahme interkultureller Kontakte, wodurch nicht mehr nur High Potentials und ins Ausland entsandte Angestellte (Expatriates), sondern auch in ihrem Heimatland verbleibende Angestellte vermehrt interkulturelle Kompetenz benötigen.

Allerdings wird außerhalb der interkulturellen Forschung die Relevanz der interkulturellen Kompetenz häufig unterschätzt. Um die Inhaltsvalidität und die externe Validität von interkultureller Kompetenz näher zu beleuchten, wurde eine explorative, primär qualitative Untersuchung mit Studierenden und Berufstätigen Personen mit und ohne Migrationshintergrund durchgeführt. Zentraler Untersuchungsgegenstand waren die erfahrungsbasierten Einstellungen von Studierenden und Berufstätigen. Für die diesem Beitrag zugrundeliegenden Analyse wurden 61 strukturierte Interviews herangezogen und mittels Inhaltsanalyse untersucht. Zur Festsetzung des Begriffs der interkulturellen Kompetenz wurde den Befragten als definitorischer Aspekt die Fähigkeit genannt, mit Menschen aus anderen Kulturen gut und erfolgreich kommunizieren zu können.

Nach Teilaspekten interkultureller Kompetenz gefragt, wurde von den Teilnehmenden mit Abstand am häufigsten eine offene Grundeinstellung genannt (ca. 85%), die partiell mit Interesse an anderen Menschen und Kulturen in Verbindung gebracht wurde. Von rund 44% wurde auf Unvoreingenommenheit verwiesen, wozu die bewusste Zurückstellung eigener Vorurteile gehört. Rund ein Drittel der Befragten beschrieb, als weiteren Teilaspekt, Selbstreflexion bezüglich der eigenen Kultur und Person, womit ein Aspekt angesprochen wurde, der sich eher selten in der Forschungsliteratur wiederfindet. Neben solchen und vielen weiteren kulturübergreifenden Komponenten wurde von über der Hälfte der Befragten auf kulturspezifisches Wissen verwiesen. Bezüglich der Bereiche, in denen interkulturelle Kompetenz benötigt wird, wurden am häufigsten der Bildungsbereich angesprochen (ca. 70%), gefolgt von Verweisen auf die Wirtschaft (ca. 42%; mit eher unerwarteten Beispielen wie Personalabteilungen und Marketing), sowie international agierende Unternehmen (ca. 26%).

Die Breite dieser Ergebnisse besitzt hohen heuristischen Wert. Zum einen ermöglicht die Erfassung der Verbreitung bestimmter Auffassungen von interkultureller Kompetenz, die Passung zwischen einem erfahrungsbasierten Allgemeinverständnis und einer wissenschaftlichen Definition interkultureller Kompetenz zu ermessen. Zum anderen liefern von den Befragten genannte Aspekte relevante Einsichten in die notwendige Breite der angestrebten wissenschaftlichen Definition interkultureller Kompetenz. Damit gibt diese Studie wichtige Hinweise für die Konstruktgenerierung mit Blick auf Messinstrumente interkultureller Kompetenz, sowie für Aspekte, welche im Sinne der Kriteriumsvalidität mit interkultureller Kompetenz in Verbindung stehen sollten.

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Raum 6
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Schäfer, Genkova